Steuer & Kosten

Fristen im Erbfall: Was wann fällig ist — die Übersicht

Nach einem Todesfall laufen mehrere Uhren gleichzeitig. Diese Übersicht sortiert die Fristen nach Dringlichkeit — von der 6-Wochen-Ausschlagung bis zur Pflichtteils-Verjährung.

100 % kostenlos Quellen: §§ 1944, 1945, 1954, 2306, 2325, 2332 BGB, § 30 ErbStG, §§ 195, 199 BGB Stand: November 2026
Inhalt dieses Artikels

Alle Fristen auf einen Blick

Die Tabelle ist nach Länge sortiert, nicht nach Wichtigkeit — und genau darin liegt die Tücke. Es laufen drei Arten von Uhren unabhängig voneinander: eine ab Ihrer eigenen Kenntnis, eine taggenau ab dem Erbfall, und eine ab einem Ereignis, das gar nicht bei Ihnen liegt — der Bekanntgabe durch das Nachlassgericht oder dem Kauf der Immobilie durch die verstorbene Person. Wer alle Fristen pauschal vom Todestag aus rechnet, liegt bei der Hälfte daneben, und zwar in beide Richtungen: bei der Ausschlagung nach Testament verschenkt er Wochen, beim Anspruch gegen einen Beschenkten glaubt er sich länger im Recht, als er es ist. Die Spalte „Beginn" ist deshalb die wichtigste dieser Tabelle.

FristWasBeginnRechtsgrundlage
unverzüglichTestament beim Nachlassgericht abliefern (Pflicht jedes Besitzers)Kenntnis vom Tod§ 2259 BGB
6 WochenErbe ausschlagen (danach gilt es als angenommen)Kenntnis von Erbfall + Berufungsgrund; bei Testament/Erbvertrag nicht vor Bekanntgabe durch das Nachlassgericht§ 1944 Abs. 2 BGB
6 WochenAnnahme oder Ausschlagung anfechtenKenntnis vom Anfechtungsgrund (absolut: 30 Jahre)§ 1954 BGB
6 MonateAusschlagung und Anfechtung bei Auslandsbezugwie oben§§ 1944 Abs. 3, 1954 Abs. 3 BGB
3 MonateAnzeige beim Erbschaftsteuer-FinanzamtKenntnis vom Erwerb§ 30 ErbStG
mind. 1 MonatErbschaftsteuererklärung, wenn das Finanzamt sie anfordertAufforderung durch das Finanzamt§ 31 Abs. 1 ErbStG
1 MonatEinspruch gegen den Feststellungsbescheid über den Grundbesitzwert (nicht gegen den Steuerbescheid)Bekanntgabe des Feststellungsbescheids§ 355 AO, §§ 151, 155 BewG
1 JahrVerkaufspreis als Wertnachweis gegenüber dem Finanzamt nutzbarBewertungsstichtag (Todestag) — davor oder danach§ 198 Abs. 3 BewG
2 JahreGrundbuchberichtigung gebührenfrei (auch nach Erbauseinandersetzung)ErbfallGNotKG (KV 14110 Anm. 1)
3 JahrePflichtteil verjährtJahresende der Kenntnis von Erbfall + Enterbung — oder des Jahres, in dem Sie beides ohne grobe Fahrlässigkeit hätten kennen müssen§§ 195, 199 BGB
3 JahrePflichtteilsergänzung gegen die Erben verjährtwie Pflichtteil§§ 195, 199, 2325 BGB
3 JahrePflichtteilsergänzung gegen den Beschenkten verjährtErbfall — taggenau, ohne Rücksicht auf Kenntnis§§ 2329, 2332 Abs. 1 BGB
10 JahreSpekulationsfrist beim Immobilienverkauf — danach ist der Gewinn einkommensteuerfreiKauf durch die verstorbene Person, nicht der Erbfall§ 23 Abs. 1 EStG
10 JahreSchenkungen schmelzen für die Pflichtteilsergänzung ab (pro Jahr −10 %); nicht bei Schenkung an den EhepartnerLeistung der Schenkung — bei Ehegatten erst ab Auflösung der Ehe§ 2325 Abs. 3 BGB

Die kritischste Frist: 6 Wochen für die Ausschlagung

Wer nichts tut, nimmt an — mit allen Schulden. Die sechs Wochen sind kurz, wenn erst Unterlagen gesichtet werden müssen. Praktisches Vorgehen: sofort Kontoauszüge, Kreditverträge und Grundbuch (Abteilung III) prüfen; bei unklarer Lage anwaltlich beraten lassen, bevor die Frist abläuft. Die Ausschlagung selbst erfolgt zur Niederschrift des Nachlassgerichts oder in öffentlich beglaubigter Form (§ 1945 Abs. 1 BGB).

Eröffnung ist nicht Bekanntgabe. Sind Sie durch Testament oder Erbvertrag berufen, beginnt die Frist nicht mit dem Eröffnungstermin beim Nachlassgericht, sondern erst mit der Bekanntgabe der Verfügung an Sie (§ 1944 Abs. 2 Satz 2 BGB) — in der Praxis der Tag, an dem die Eröffnungsniederschrift in Ihrem Briefkasten liegt. Wer ab dem Eröffnungstermin rechnet, verkürzt sich die eigene Frist um Wochen. Umgekehrt gilt: Wer gesetzlicher Erbe ist, für den zählt allein die Kenntnis von Todesfall und eigener Erbenstellung — auf ein Gerichtsschreiben zu warten, wäre ein teurer Irrtum.

Halten Sie den Fristbeginn schriftlich fest, sobald er feststeht: bei gesetzlicher Erbfolge den Tag, an dem Sie von Todesfall und eigener Erbenstellung erfahren haben, bei Testament oder Erbvertrag den Tag, an dem Ihnen die Eröffnungsniederschrift zugegangen ist. Kuvert mit Poststempel aufbewahren, Datum notieren, Anlass dazuschreiben — wer später anfechten will oder bestreiten muss, dass die Frist schon abgelaufen war, braucht genau diesen einen Tag. Das Nachlassgericht rechnet ihn nicht für Sie aus, und ein Fristbeginn, den niemand belegen kann, wird im Streitfall nicht zu Ihren Gunsten unterstellt.

Achtung, Annahme durch Verhalten: Wer sich wie ein Erbe verhält — Nachlasskonten leerräumt, Wertsachen verkauft — kann das Erbe dadurch schon angenommen haben, bevor die Frist abläuft. Sichern und verwalten ist erlaubt, verwerten nicht.

3 Monate: die Anzeige ans Finanzamt

Formlos, kurz, fristwahrend: Name und Todestag der verstorbenen Person, Ihr Verhältnis, grober Wert und Art des Erwerbs — an das für die Erbschaftsteuer zuständige Finanzamt (§ 30 ErbStG). Ob überhaupt Steuer anfällt, zeigt vorab der Erbschaftssteuer-Rechner. Die Anzeige ersetzt keine Steuererklärung — die fordert das Finanzamt bei Bedarf gesondert an.

Zwei Dinge werden hier regelmäßig verwechselt. Erstens ist die Anzeige keine Wertermittlung: Sie soll das Finanzamt nur in die Lage versetzen, den Fall überhaupt zu erfassen. Grobe Angaben genügen, ein vorsichtig geschätzter Wert schadet nicht, und wer auf das letzte Gutachten wartet, verliert die Frist für ein Dokument, das sie gar nicht verlangt. Zweitens befreit Sie von der Anzeige nur beides zusammen — eine gerichtlich eröffnete Verfügung von Todes wegen und ein daraus klar ersichtliches Verhältnis zur verstorbenen Person. Gehören Grundbesitz, Betriebsvermögen oder Auslandsvermögen zum Nachlass, bleibt die Anzeige in jedem Fall Ihre Aufgabe. Beim Grundbesitz spricht noch ein taktischer Grund für früh statt spät: Daran hängt eine gesonderte Feststellung des Grundbesitzwerts, und angreifen lässt sich deren Bescheid nur innerhalb der Einspruchsfrist, die mit seiner Bekanntgabe zu laufen beginnt — je später die Kette anfängt, desto gedrängter ihr Ende.

3 Jahre: Pflichtteil nicht verjähren lassen

Der Pflichtteil muss aktiv geltend gemacht werden — er verjährt drei Jahre nach dem Ende des Jahres, in dem Sie von Erbfall und Enterbung erfahren haben oder ohne grobe Fahrlässigkeit hätten erfahren müssen (§ 199 Abs. 1 BGB). Nichtwissen hilft also nur, wenn es nicht vorwerfbar ist; die äußerste Grenze sind 30 Jahre ab Entstehung des Anspruchs (§ 199 Abs. 3a BGB). Erster Schritt ist das Auskunftsverlangen an die Erben (§ 2314 BGB); die Höhe überschlägt der Pflichtteils-Rechner. Zur Fristwahrung bei zäher Gegenseite: anwaltlich verjährungshemmende Schritte einleiten lassen.

Die stille Falle: der Anspruch gegen den Beschenkten. Hat die verstorbene Person zu Lebzeiten verschenkt und reicht der Nachlass für die Pflichtteilsergänzung nicht aus, haftet der Beschenkte direkt (§ 2329 BGB). Für diesen Anspruch beginnt die Verjährung nach § 2332 Abs. 1 BGB mit dem Erbfall — nicht mit dem Jahresende, nicht mit Ihrer Kenntnis. Drei Jahre und einen Tag nach dem Todestag ist er erloschen, auch wenn die Schenkung erst durch die Auskunft ans Licht kam. Wer den Verdacht hat, dass etwas verschenkt wurde, darf mit der Auskunft nicht warten.

Fristen, die erst später anspringen

Drei Fristen laufen nicht ab dem Todestag, sondern ab einem Ereignis, das Monate später liegen kann — und werden deshalb regelmäßig übersehen:

  • Ausschlagung bei beschränktem Erbteil (§ 2306 Abs. 1 BGB): Wer als Pflichtteilsberechtigter Erbe wird, aber durch Nacherbfolge, Testamentsvollstreckung, Teilungsanordnung, Vermächtnis oder Auflage beschwert ist, kann ausschlagen und stattdessen den vollen Pflichtteil verlangen. Die Ausschlagungsfrist beginnt hier erst mit der Kenntnis von der Beschränkung — wer das Testament spät zu sehen bekommt, hat entsprechend länger Zeit.
  • Nachrückende Erben: Schlagen Sie aus, fällt die Erbschaft dem Nächstberufenen an (§ 1953 Abs. 2 BGB) — dessen eigene sechs Wochen beginnen mit seiner Kenntnis, praktisch mit der Mitteilung des Nachlassgerichts. In Überschuldungsfällen zieht sich das über die ganze Familie und über Monate.
  • Anfechtung (§ 1954 BGB): Sechs Wochen ab dem Tag, an dem der Anfechtungsgrund bekannt wird — also etwa ab dem Auftauchen der Schulden, nicht ab dem Erbfall. Auch das Versäumen der Ausschlagungsfrist ist anfechtbar, und zwar in gleicher Weise wie die Annahme (§ 1956 BGB) — eine verpasste Frist ist deshalb nicht in jedem Fall das Ende, siehe Erbe ausschlagen. Absolute Grenze: 30 Jahre seit Annahme oder Ausschlagung (§ 1954 Abs. 4 BGB).

Keine Frist, aber dringend: die Praktischen

  • Bestattung — landesrechtliche Bestattungsfristen (meist wenige Tage bis ~10 Tage).
  • Versicherungen: Lebensversicherungen verlangen oft Meldung binnen weniger Tage (Vertragsbedingungen prüfen); Gebäudeversicherung übernehmen.
  • Laufende Verträge der verstorbenen Person sichten: Miete, Abos, Strom — kündigen oder übernehmen.
  • Erbnachweis organisieren: Testament abliefern (Pflicht!), Erbschein nur wenn nötig.

Häufige Fragen

Wann beginnt die 6-Wochen-Frist für die Ausschlagung?
Mit dem Tag, an dem Sie vom Erbfall und Ihrem Berufungsgrund erfahren — sind Sie durch Testament oder Erbvertrag berufen, beginnt die Frist nicht vor der Bekanntgabe der Verfügung durch das Nachlassgericht (§ 1944 Abs. 2 Satz 2 BGB). Das ist nicht der Eröffnungstermin, sondern der Tag, an dem Ihnen die Eröffnungsniederschrift zugeht — dazwischen können Wochen liegen. Wer die Frist verstreichen lässt, hat das Erbe angenommen, samt aller Schulden.
Wie schlage ich ein Erbe aus?
Durch Erklärung beim Nachlassgericht — persönlich zu Protokoll oder in öffentlich beglaubigter Form (§ 1945 Abs. 1 BGB). Ein einfacher Brief genügt nicht. Die Ausschlagung kostet eine geringe Gerichtsgebühr und ist grundsätzlich endgültig.
Gilt die 3-Monats-Anzeige ans Finanzamt auch, wenn keine Steuer anfällt?
Die Anzeigepflicht (§ 30 ErbStG) hängt nicht davon ab, ob am Ende Steuer herauskommt. Sie entfällt nur, wenn der Erwerb auf einer gerichtlich eröffneten Verfügung von Todes wegen beruht und das Verhältnis klar ersichtlich ist — nicht jedoch, wenn Grundbesitz, Betriebsvermögen oder Auslandsvermögen zum Nachlass gehört.
Wie lange kann ich den Pflichtteil fordern?
Drei Jahre — beginnend mit dem Schluss des Jahres, in dem Sie vom Erbfall und der Sie beeinträchtigenden Verfügung erfahren haben (§§ 195, 199 BGB). Unabhängig von der Kenntnis erlischt der Anspruch spätestens nach 30 Jahren.
Gilt die 3-Jahres-Frist auch gegenüber dem Beschenkten?
Nein — und das ist die gefährlichste Ausnahme. Reicht der Nachlass für die Pflichtteilsergänzung nicht aus, richtet sich der Anspruch direkt gegen den Beschenkten (§ 2329 BGB). Dessen Verjährung beginnt nach § 2332 Abs. 1 BGB mit dem Erbfall — taggenau, ohne Rücksicht darauf, ob Sie von der Schenkung überhaupt wussten. Drei Jahre nach dem Todestag ist dieser Anspruch weg, auch wenn die Schenkung erst danach auftaucht.
Kann ich eine versehentliche Annahme rückgängig machen?
Nur durch Anfechtung, etwa bei einem Irrtum über die Überschuldung — binnen sechs Wochen ab Kenntnis vom Anfechtungsgrund (§ 1954 BGB), bei Auslandsbezug sechs Monate. Auch das schlichte Verstreichenlassen der Ausschlagungsfrist ist anfechtbar. Absolute Grenze: 30 Jahre seit Annahme oder Ausschlagung.
Gibt es eine Frist für den Erbschein oder die Grundbuchberichtigung?
Der Erbschein selbst hat keine Frist. Für die Grundbuchberichtigung gilt: Innerhalb von zwei Jahren nach dem Erbfall ist die Umschreibung auf die Erben gebührenfrei — danach kostet sie.
Was gilt bei Auslandsbezug?
Die Ausschlagungsfrist verlängert sich auf sechs Monate, wenn die verstorbene Person ihren letzten Wohnsitz nur im Ausland hatte oder Sie sich bei Fristbeginn im Ausland aufhalten (§ 1944 Abs. 3 BGB). Lebte die verstorbene Person dauerhaft im Ausland, kann zudem ausländisches Erbrecht gelten (EU-Erbrechtsverordnung) — dann gehört der Fall in fachkundige Beratung.
Quellen
Zuletzt geprüft: November 2026
Die erste Frist ist die kürzeste
Sechs Wochen für die Ausschlagung — und sie laufen, bevor die meisten Erben den Nachlass überhaupt überblicken.
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